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L. schreiberi - neue Farbvariante
02.06.2010, 22:08 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 02.06.2010 22:11 von carsten.)
Beitrag #1
L. schreiberi - neue Farbvariante

So schon mal exklusiv vorab. Einige von Euch wußten ja bereits, dass ich an diesem Projekt arbeite...

Eine wichtige Erkenntnis in der Beziehung zur Farbgebung bei Lacerta schreiberi ist, dass die Art ohnehin extrem variabel ist und jedes Tier von sehr individuellen Zeichnungsmustern und Farbgebung geprägt ist. Ihr kennt das hier von meinen Bildern der letzten Jahre.

In einer F2-Generation von 2007 schlüpften bei mir zwei völlig von der Norm abweichende Jungtiere. Normalerweise weisen die Schlüpflinge meiner Tiere eine Kaffeebraune Grundfarbe mit weißen Ocellen an den Flanken. Im Gegensatz dazu waren die genannten 2 Tiere von silbergrauer Grundfarbe und hatten ebenfalls die typischen Ocellen.
Da es sich um ein Gelege einer F2-Generation handelte, kam mir sofort das 2. Mendelsche Gesetz (Spaltungsregel) für dominant-rezessiver Erbgänge in den Sinn und ich beschloss die „Silberlinge“ in meinem Bestand zu halten und den Versuch einer Rückkreuzung anzugehen, um diese Theorie zu überprüfen.

Wie sich herausstellte, handelte es bei den Beiden um zwei Männchen, die sich auch in der weiteren Farbentwicklung absolut von den normalfarbenen Tieren unterschieden und ihre Graue Grundfarbe behalten haben.
Eine wirkliche Grünfärbung fehlt diesen Tieren auch als adulti völlig. Lediglich ein leichter Grünstich entwickelt sich im Erwachsenenalter und auch eine Blaufärbung der Köpfe fehlt diesen beiden Männchen gänzlich.
Im Gegensatz zu den prächtigen Hochzeitsfärbungen der Nominate ist die Farbmutation von 2007 einigermaßen farblos. Man kommt sich vor, als betrachte man die Tiere in der Nacht oder bei extrem schlechter Belichtung. Daher nenne ich sie grey-shadow Farbform. Ich hatte hier 2008 bereits einmal ein Bild von einem der Tiere gezeigt
http://www.terraristik-ostfriesland.de/thread-1710.html

Wie ihr ja aus meinem diesjährigen Bericht wisst, gelang mir nun die Rückkreuzung eines der grey-shadow-Männchen von 2007 mit seiner Mutter und ich erhielt so nach 50 Tagen Inkubation letztlich 7 graue und 5 braune Jungtiere. Alle anderen Schlüpflinge waren bislang braun also „normal“ gefärbt. Bei dem hohen Anteil an grauen Jungen in einer Rückkreuzung (F2b) kann man danach tatsächlich davon ausgehen, dass es sich bei der hier beschriebenen grey-shadow-Farbform um eine echte, genetisch bedingte Farbmutation handelt, die sich im Erbgang rezessiv verhält.

Ich hoffe sehr auf Weibchen bei den Kleinen grey-shadows und bin sehr gespannt, wie diese letztlich aussehen werden...

Hier noch ein aktuelles Bild der Jungen von heute. - Sorry für die Bildqualität, aber die kleinen sind echt schwierig zu treffen...
   


Gruß
Carsten
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05.06.2010, 07:45
Beitrag #2
RE: L. schreiberi - neue Farbvariante

So, nun noch mal ein Bild von einem ausgefärbten 3-jährigen grey-shadow Männchen zur Paarungszeit:
   

Das ist gegenüber den normalfarbenen Tieren wirklich absolut unspektakulär.


Gruß
Carsten
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05.06.2010, 09:29 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 05.06.2010 09:34 von Eli.)
Beitrag #3
RE: L. schreiberi - neue Farbvariante

Hallo Karsten,

interessant! Ich nehme an, dass die Elterntiere der F2-Generation Vollgeschwister sind? Dann kann man davon ausgehen, dass ein Tier der P-Generation das Gen (bzw. Gendefekt) in sich trägt. Woher stammen denn die "P-Tiere"?

Ich bin schon ganz neugierig, wie die von dir angestrebten reinerbigen Tiere aussehen werden (wenn dir nicht ein Letalfaktor dazwischen kommt).

Gruß Eli :115:


Gruß Eli [Bild: smilie_tier_138.gif]
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05.06.2010, 11:28 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 05.06.2010 11:33 von carsten.)
Beitrag #4
RE: L. schreiberi - neue Farbvariante

Hallo Eli,
Du hast recht, die Eltern der F2 von 2007 sind Vollgeschwister. Das Männchen der P-Generation war aus Freilandhaltung eines Bekannten und ist im Winter 2005 bereits verstorben. RIP Unsere Tiere sind aber des selben Ursprungs.
Das Weibchen ist noch bei mir. Die Rückkreuzung (F1b) der F1 von 2005 mit diesem Weibchen in den Jahren 2007 und 2010 hat bislang nur normalfarbene Jungtiere ergeben. In diesem Jahr waren es 6 (sind gerade eben aus den Eiern) :115:
Insofern wird die Mutation vom verstorbenen Männchen stammen.

Ich konferiere gerade mit den Verantwortlichen der DGHT-AG Lacertiden, ob denen irgend etwas bekannt ist. Den Ursprung der Tiere möchte ich solange erst mal für mich behalten, bis alles entgültig geklärt ist.


Gruß
Carsten
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05.06.2010, 16:51
Beitrag #5
RE: L. schreiberi - neue Farbvariante

Hallo Carsten,

wissenschaftlich gesehen höchst interessant!
Aber wie Eli bereits auch vermerkte: durch die Inzüchterei kann sehr schnell ein Letalfaktor auftreten; zumindest wird eine inzuchtbedingte Vitalitätsdepression kaum ausbleiben.

Meine ganz persönliche Meinung: ich halte es für nicht für besonders sinnvoll, neue Farbschläge aus stark ingezüchteten Linien zu kreieren. Aber das ist ja leider schon bei den momentan überall so beliebten Farbmorphen der verschiedensten (Reptilien-)Arten gang und gebe....

Ich möchte Dich hier keineswegs kritisieren. Wie ich Dich kenne, steht bei Dir das wissnschaftliche Interesse im Vordergrund und Du wirst sicher mit den Erfahrungen daraus gwissenhaft umzugehen wissen...

In diesem Sinne: Glückwunsch erst mal und viel Erfolg weiterhin!


Gruß,
Thorsten

[Bild: 21i.gif] Früher dachten wir ja auch: "Ich denke, also bin ich." Heute wissen wir: geht auch so...
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05.06.2010, 17:15
Beitrag #6
RE: L. schreiberi - neue Farbvariante

Hi Thorsten,

die F2 von 2007 ist nur aus Männermangel entstanden. Das NZ-Männchen von 2005 war seinerzeit das einzig vorhandene. Und nachdem zufällig aus der F2 die grauen Tiere hervorgegangen waren, ging es mir eigentlich darum, den Beweis anzutreten, dass es sich um eine echte genetische Farbvariante drehte. Da das nun erfolgt ist, werde ich peinlichst darauf achten weitere reine Inzuchtlinien zu vermeiden. - Das war reiner Forscherdrang!!
Ich habe ja noch Weibchen meiner Ursprungstiere die blutsfremd zu dieser Linie sind. Mit denen bin ich in der F1 immerhin noch halbblutsfremd zu dieser "grey-shadow-Linie". Der bottleneck in meiner Zucht ist halt das Jahr 2005 gewesen, in dem nur 1 einziges Männchen verfügbar war ...


Gruß
Carsten
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06.06.2010, 13:58 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 06.06.2010 13:59 von docstein.)
Beitrag #7
RE: L. schreiberi - neue Farbvariante

@ Carsten: klasse; so sollte es auch sein!114


Gruß,
Thorsten

[Bild: 21i.gif] Früher dachten wir ja auch: "Ich denke, also bin ich." Heute wissen wir: geht auch so...
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07.06.2010, 22:37
Beitrag #8
RE: L. schreiberi - neue Farbvariante

Ein andere Frage!

Kann man die Tiere anerythristisch nennen , oder sogar axanthistich. Wen die normale Grund-Färbung sonst braun ist {Braun ist Erweiterung von rot (erythros = Rot auf Griechisch ) } oder Gelbes Farbtons(Xanthos =Blond auf griechisch ) ?
Hast du so zu sagen die ersten Axanthitische oder anerys L. schreiberi .!?!


[Bild: topmAnimation.gif]
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08.06.2010, 05:24
Beitrag #9
RE: L. schreiberi - neue Farbvariante

Hallo Cristoci,
ich bin eigentlich kein besonderer Freund der Farbzuchten und die Entstehung war eigentlich eher ein Zufallsprodukt. Daher kenne ich mich auch nur mäßig mit den Farbschlägen aus. Aber da sich ja überhaupt kein Grün ausbildet, zu dem ja in wesentlichen Teilen gelb gehört, könntest Du da recht haben. - Ich prüfe das. Allerdings erklärt das noch nicht die fehlenden blauen Färbungen...


Gruß
Carsten
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08.06.2010, 22:20
RE: L. schreiberi - neue Farbvariante

Nach meiner Recherche könnten es aneritristische Tiere sein. Das gibts wohl bei Lacerta agilis auch. So recht mag sich in diesem Falle Lacerta schreiberi da aber niemand festlegen. Das müßte in der Tat näher untersucht werden ...


Gruß
Carsten
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