Das Klima Südostasiens
1. Allgemein
"Die bezeichnendste Eigenschaft des Tropenklimas ist die gleichmäßige Temperatur und der regelmäßige Gang der täglichen Erscheinungen. In der Nähe des Äquators übersteigt die Jahresschwankung der mittleren Monatstemperaturen kaum 1°C". Auch zeigt die Sonnenstrahlung hier kaum jahreszeitliche Differenzierung. Die Tageslänge schwankt am Äquator nur zwei Minuten und nimmt pro Breitengrad um ca. sieben Minuten zu. Gleichmäßigkeit besteht ebenfalls beim täglichen Gang der Bewölkung und des Regens.
Da die täglichen Temperaturschwankungen die Schwankungen im Lauf des Jahres bei weitem übersteigen, spricht man von einem Tageszeitenklima. In Malaya erreichen die täglichen Schwankungen das drei- bis fünffache der jahreszeitlichen Unterschiede. Die Tagesamplituden nehmen mit Abstand zum Meer deutlich zu . Daher rührt der bekannte Ausspruch Alexander von Humboldts, dass "die Nächte der Winter der Tropen seien".
Im Groben kann man in Südostasien drei Klimazonen unterscheiden, die aber durch regionale Faktoren vielseitig differenziert werden. Maßgebend für das ganze Gebiet Südostasien ist der Monsun. Damit bezeichnet man den regelmäßigen Luftmassenaustausch, der durch die jahreszeitliche Verlagerung der globalen Zirkulation und den Kontrast zwischen der geschlossenen Landmasse Asiens und den durch Nebenmeere abgegliederten Subkontinenten Süd-, Südost- und Ostasiens entsteht. Durch die jahreszeitliche Nord-Süd-Verlagerung der thermalen Zonen von Luftdruck und Winden - ITC - wird ganz Südostasien vom System der Monsune beherrscht. Da das Verhältnis der Wasserfläche zu den Landgebieten der Inseln sehr groß ist und das Meer auch in das Festland stark eingreift, ist die klimabestimmende Wirkung der feuchten, äquatorialen Luftmassen besonders stark.
Da die feuchte Luft vielerorts durch das kräftige Relief zum Aufsteigen gezwungen wird und damit zu Niederschlägen, sogenannten Stauregen, führt, können sehr große Regenmengen beobachtet werden. Ein gutes Beispiel dafür ist Mitteljava im Januar und Februar mit einer mittleren Monatssumme größer als 1000 mm. Somit wird Südostasien stark vom Charakter der feuchten Tropen geprägt.
2. Der Monsun in Südostasien
Vereinfachend kann man den Monsun als Ausgleichsströmung der Luftmassen zwischen den Kontinenten Asien und Australien betrachten. Die Erwärmung der Landmassen durch die Sonne im jeweiligen Sommer dieser Kontinente führt zum Aufsteigen der Luft und damit zur Bildung eines thermischen Tiefs. Umgekehrt kommt es auf der Winterseite zur Bildung eines thermischen Hochdruckgebietes.
Als Ausgleichsbewegung kommt ein Luftstrom zwischen den beiden gewaltigen Luftdruckgebilden vom Hoch zum Tief zustande. Durch den Lauf der Sonne veränderte Luftdruckverhältnisse und die unterschiedliche Wirkung der Corioliskraft auf Nord- und Südhalbkugel führen zu unterschiedlicher Ausprägung der Richtung dieser Winde, der sogenannten Monsune.
Im Nordsommer von Mai bis September (Julikarte) bestimmt der Südwestmonsun (Nordhalbkugel) bzw. der Südostmonsun (Südhalbkugel) das Wettergeschehen in Südostasien. Über Australien liegt ein Hoch und über Asien ein (thermisches) Tief, das zwei Tiefdruckkerne über Nordwestindien und über Zentralchina einschließt. Das bewirkt einen Druckausgleich von Süden nach Norden, also südliche Winde.
Je nach Wirkung der Corioliskraft enthalten diese Winde eine mehr oder weniger starke Ost- (Südhalbkugel) bzw. West- (Nordhalbkugel) -Komponente.
Der Südwestmonsun bringt starke Niederschläge, wo er auf Hindernisse trifft und zum Aufsteigen gezwungen wird. Der Südostmonsun beschert dem südöstlichen Indonesien eine Trockenzeit. Der trockene Wind aus dem australischen Festland nimmt erst da, wo er längere Zeit übers Meer weht , vermehrt Feuchtigkeit auf und schwenkt dann in eine Südwestrichtung ein. Eine Luftmassengrenze über Sumatra und Malaya trennt diese Luftströmung von dem niederschlagsreicheren Monsun des festländischen Südostasien, der aus den Westwindluftmassen des Indischen Ozeans stammt.
Im Herbst, wenn sich die ITC wieder gen Süden verschiebt, gleichen sich die Luftdruckunterschiede langsam aus. Auch die Temperaturunterschiede zwischen Land und Meer werden geringer. Die Verlagerung der Konvergenzzone mit dem Tiefdruckgürtel nach Süden zieht Winde mit südöstlicher Richtung nach sich, der Beginn des sogenannten Nordostmonsuns.
An der Grenze zwischen Südwest- und Nordostmonsun fallen in dieser "Inter-Monsun-Periode" die stärksten Niederschläge. Die Zeiten zwischen den Monsunen bringen meist schwache und veränderliche Winde.
Im Südsommer (Januarkarte) beherrscht der Nordost- (im Süden Nordwest) -Monsun die Wettererscheinungen in Südostasien. Er entsteht durch das Druckgefälle zwischen Asien und Australien und kann in Äquatornähe eine sehr große Heftigkeit erreichen. Aus der unterschiedlichen Ablenkung beiderseits des Äquators und der Zergliederung der südostasiatischen Inselwelt resultieren jedoch sehr stark unterschiedliche Windrichtungen am Boden, so dass man in Java sogar vom West- (Südsommer) oder Ost- (Nordsommer)-Monsun spricht. Regionale Unterschiede können auch durch Land-See-Winde oder Berg-Tal-Winde entstehen. Der Nordost bzw. Nordwestmonsun bringt ergiebige Niederschläge an den Luvseiten der Gebirge und den jeweiligen Küsten.
Ab März beginnt der Nordostmonsun wieder schwächer zu werden, um nach der "Intermonsunperiode" wieder vom Südost- bzw. Südwestmonsun abgelöst zu werden.
3. Drei Klimazonen
Durch die jahreszeitliche Verteilung der Niederschläge kann man Südostasien in drei Klimazonen gliedern. Über dem Äquator erstreckt sich die breite äquatoriale Zone der immerfeuchten Tropen (= tropische Regenklimate). Von Norden und Süden strömen in diese Zonen Luftpakete mit feuchter Luft, da sie vom offenen Meer her wehen. Durch das Aufeinandertreffen dieser Strömungen wird die Luft, noch verstärkt durch die am Äquator vorherrschenden ganzjährig hohen Temperaturen (thermisches Tief), zum Aufsteigen gezwungen. Die durch die Konvektion bedingten Niederschläge führen dazu, dass dieses Gebiet die regenreichste Zone der Erde ist.
Nördlich (durch das Festland größer und kompakter) und südlich (auf den kleinen Inseln weniger geschlossen ausgeprägt) hiervon schließen die Monsunklimate der wechselfeuchten Tropen an. Ist das Fehlen ausgeprägter Trockenzeiten das Abgrenzungskriterium (Niederschlagsmittel von mindestens 60 mm für den trockensten Monat des Jahres), so erstreckt sich die Grenze etwa zwischen 6 Grad und 7 Grad nördlicher Breite, also von der Nordwestecke Malayas, über die Nordspitze Borneos, bis zu den südlichen Philippinen. Auf der Südhalbkugel bei ca. 6 Grad von der Westhälfte Javas Über die Südspitzen von Celebes ins südliche Neuguinea. Außerdem kann man wegen der hohen und langandauernden Niederschläge auch die Ostflanken der Philippinen, die Westküste Burmas und den südöstlichen Zipfel Thailands zu den tropischen Regenklimaten zählen.
Die Gebiete nördlich und südlich dieser Grenze unterscheiden sich durch das Vorhandensein mehr oder weniger ausgeprägter Trockenperioden. Die Trockenzeiten auf der südlichen Halbkugel im Juli im südlichen Indonesien und im Süden Neuguineas entstehen durch den trockenen Südostpassat (oder Südostmonsun) aus dem ariden Festland Australiens. Am stärksten ist die Trockenheit an den Nordküsten von Timor, den kleinen Sunda-Inseln, Ostjava und an der Südwestküste von Südcelebes. In Ostjava, auf den kleinen Sunda-Inseln und in Timor haben die trockensten Stationen einen mittleren Monatsniederschlag von 5 mm oder weniger. Die größte Trockenheit findet man auf der Insel Sumba. In den sieben Monaten von Mai bis November bleibt das Monatsmittel unter 35 mm. Erst nördlich und westlich dieser Gebiete bringt der nun inzwischen mit Feuchtigkeit angereicherte Südostmonsun wieder höhere Niederschläge.
Anders bringt der aus dem asiatischen Festland stammende Nordostmonsun dem Norden Südostasiens im Januar eine Trockenzeit. Hauptsächlich davon betroffen ist das festländische Hinterindien bis Malaya und der Westen der Philippinen. Damit ergibt sich ein klimatisch dreigeteiltes Südostasien.
4. Niederschläge
Ganz Südostasien ist ein Gebiet hoher Niederschläge. Ursache dafür sind die durchschnittlich hohen Temperaturen der Luftmassen, die bei jedem Aufstieg große Regenmengen verursachen, da kühlere Luft eine viel schwächere Speicherfähigkeit für Wasserdampf besitzt als warme Luft. Bei einer Temperatur von 25 Grad Celsius kann die Luft etwa 2,5 mal soviel Wasserdampf aufnehmen wie bei 10 Grad Celsius. Bei Abkühlung einer solchen warmen und zugleich feuchten Luftmasse kondensiert deshalb viel mehr Wasser als bei kühleren Luftmassen. Die in diesen Breiten hohe Luftfeuchtigkeit verstärken diesen Prozess und jede aufsteigende Bewegung der Luftmassen führt zu hohen Niederschlägen.
Die drei wichtigsten Faktoren für das Aufsteigen der Luft sind Konvektion, Konvergenzen und Relief.
Zu den wichtigen Erscheinungen des tropischen Klimas gehören die Gewitter. Vor allem in den Intermonsunperioden, wenn die geringe Geschwindigkeit der allgemeinen Luftströmung die Entwicklung hoher Wolkentürme begünstigt, kommt es sehr häufig zu Gewittern. In Bogor auf Java kann man zwischen 17.00 Uhr und 18.00 Uhr an 250 Tagen im Jahr Donner hören, im Observatorium zu Manila wurden in einem Beobachtungszeitraum von neun Jahren jährlich durchschnittlich 5050 Gewitter beobachtet.
5. Temperatur
Die Jahresschwankungen der Monatmitteltemperaturen sind gering und liegen im Tiefland zwischen 0,7 und 2,0 Grad Celsius bei Temperaturmitteln von 25 bis 28 Grad Celsius. Die Tagesamplitude der Temperatur beträgt jedoch zwischen 8 - 11 Grad.
Im Norden und Süden Südostasiens kommen die niedrigsten Monatsmittel im Winter vor (Januar und Februar bzw. Juli und August), die höchsten Temperaturen aber nicht im Sommer, sondern in den heiteren Monaten, welche dem Sommerregen vorangehen bzw. folgen (April und Mai, Oktober und November).
Die Mitteltemperatur der kleinen tropischen Inseln ist etwa 1 Grad höher als an den Küstenstationen der größeren Inseln, eine Folge der höheren Nachttemperaturen. Dennoch ist das Inselklima, wenn auch sehr einförmig, verhältnismäßig angenehm, da die Tagestemperatur vom Seewind gemäßigt wird. Auch des Nachts werden die verhältnismäßig hohen Temperaturen durch eine ständige Brise erträglich.
In einem Gebiet mit so gleichmäßigen Temperaturen kommen die durch die Höhe verursachten Unterschiede der Temperatur stark zum Tragen. Sie bewirken eine Abstufung der Vegetation und der landwirtschaftlichen Nutzung und stellen damit die größte Abweichung von der Uniformität des hiesigen Klimas dar. Beobachtungen in äquatorialen Gegenden haben gezeigt, dass die vertikale Temperaturabnahme etwa 0,6 Grad Celsius pro 100 Höhenmeter beträgt. In den Trockenzeiten ist die vertikale Temperaturabnahme jedoch etwas stärker. Die jahreszeitlichen Abweichungen davon sind gering.
Von großer Bedeutung können aber die tageszeitlichen Höhenabwandlungen der Temperatur sein . Am Tag ist die Temperaturabnahme größer als nachts, da die Tageshöchsttemperaturen viel stärker mit wachsender Höhe abnehmen als die Tiefsttemperaturen. Für seine Untersuchungen darüber in Malaya nennt Nieuwolt dafür zwei Gründe:
1. Die ausgesprochene Gipfellage der Höhenstationen, die bei den Messungen berücksichtigt
wurden. Dadurch wird der Austausch mit der freien Atmosphäre, besonders bei höheren
Windgeschwindigkeiten wie sie am Tage vorherrschen, erleichtert. Die Tageshöchsttemperaturen
bleiben niedrig.
2. Die Quellwolkenbildung über den Bergen unterbricht die Temperaturzunahme des Vormittags
ziemlich früh, während die Temperatur im Tiefland weiter ansteigen kann.