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Geo-Komodowaran-Bericht
24.11.2007, 21:26
Beitrag #1
Geo-Komodowaran-Bericht

Seit bekannt wurde, dass sie beim Beutegang selbst vor Menschen nicht halt machen, begegnet man den Komodo-Waranen mit grossem Respekt. Ihre Futtersuche schliesst sogar ihren eigenen Nachwuchs mit ein, so dass sich die Jungtiere zunächst auf die Bäume flüchten müssen, um zu überleben
Ranger Darius Jabut war am Strand der Insel Rinca eingenickt, als ihn eine ungewohnte Berührung aus dem Schlaf riss: Eine gelbe, gespaltene Zunge kitzelte ihn wach. Geistesgegenwärtig griff Jabut nach dem Stock, der neben ihm lag - und drängte mit aller Kraft das gewaltige Reptil beiseite, das ihn neugierig untersuchen wollte. Eine brenzlige Situation, aber der Ranger hatte Glück: Die scharfen Zähne des Tieres erwischten ihn nicht. Eine Unachtsamkeit, wie sie sich der Wildhüter leistete, kann auf einigen der Kleinen Sundainseln Indonesiens gefährlich sein. Denn die hier lebenden Komodo-Warane sind die grössten Echsen der Erde - der längste bisher gesehene "Drache" mass 3,13 Meter und wog 166 Kilogramm. Und sie jagen nicht nur Schweine, Hirsche und Büffel: Es heisst, sie gingen mitunter auch gezielt auf Menschen los. Zugegeben: Die Kreaturen, die der Urzeit entsprungen zu sein scheinen, und die Abgelegenheit der Inseln - das erinnert an die Monster aus "Jurassic Park". Dennoch lohnt sich ein distanzierter Blick.
Bei meinen Aufenthalten auf den Inseln Komodo, Rinca und Flores, bei denen ich das Verhalten der Komodo-Warane studiert habe, bin ich allen Echsen-Angriffen der vergangenen Jahre auf Menschen nachgegangen - und nun überzeugt: Die meisten von ihnen entsprangen dem Zufall. Die Attacke auf einen Mann namens Zakarias Lamu im September 1990 allerdings scheint ein echter Beutezug gewesen zu sein: "Der grosse Ora war schon seit Tagen hinter einem Wasserbüffel her. Er reagierte ausgesprochen aggressiv, als ich an ihm vorüberging. Und plötzlich schoss er auf mich los und verbiss sich in mein Bein", erzählte mir Lamu, der auf Flores lebt. 40 Minuten lang kämpfte er mit der Riesenechse, bis er sie mit seinem Hackmesser töten konnte.

Solche Geschichten sind es, die den Waranen, hier "Oras" genannt, weltweit den Ruf eingebracht haben, Killer zu sein. Und doch werden die Echsen, die bis zu 50 Jahre alt werden, von den Einwohnern akzeptiert. Zudem sind die Oras streng geschützt, nur 5000 Exemplare haben bis heute überlebt. Wegen dieser vergleichsweise geringen Zahl und des kleinen Verbreitungsgebietes gilt die Art als gefährdet: Wilderer töten Büffel und Hirsche, die Beute der Oras, und Waldbrände zerstören ihren Lebensraum. Solange aber Touristen hierher kommen, um sich vor den Waranen zu gruseln, haben die Kolosse eine Überlebenschance.

Waran und Mensch: ein kompliziertes Zusammenleben
Um den Besuchern ein Spektakel zu bieten, wurden noch zu Beginn der neunziger Jahre auf Komodo die Riesenechsen mit Ziegen gefüttert. 1994 jedoch ist das eingestellt worden - nicht zuletzt deshalb, weil einige Warane das Jagen regelrecht verlernt hatten; ein paar sollen nach Ende des "Ziegenopfers" sogar verhungert sein. Besucher können heute mit einem Ranger zusammen durch die Grassavannen und Wälder der Insel streifen. Allerdings entspricht es bisweilen nicht den Vorstellungen mancher Gäste, wenn die "blutrünstigen Drachen" in einem Dorf scheinbar harmonisch mit Schweinen zusammenleben. Tatsächlich aber kippt manchmal die friedvoll scheinende Atmosphäre innerhalb von Sekunden.

So auch, als ich einmal vor den Hütten der Ranger sass, wo sich eine Rotte Schweine über Gemüseabfälle hermachte. Ein grosser, etwa drei Meter langer "Komodo" lag lethargisch und für alle gut sichtbar ganz in der Nähe - unergründlich in seinen Absichten, aber irgendwie erhaben. Plötzlich stiess er wie ein Torpedo in die Schweinemenge und schnappte ein Ferkel, das erbärmlich quiekte. Das lockte zwei weitere Warane herbei, die aus verschiedenen Richtungen heranstürmten, das kleine Schwein griffen und ruckzuck in der Luft in Stücke rissen. Ich stand keine vier Meter entfernt, mit schlotternden Knien. Nichts, gar nichts hätte ich der Zielstrebigkeit und der Wucht eines solchen Angriffs, hätte er denn mir gegolten, entgegensetzen können.

Brutale Geburtenkontrolle

Auch mit ihresgleichen gehen die "Komodos" nicht gerade zimperlich um: Sie plündern Gelege der eigenen Spezies, die von den Ora-Weibchen in Erdmulden an Abhängen vergraben werden, oder in den aus verrottenden Pflanzen bestehenden Brutnestern von Grossfusshühnern. Wenn die etwa 40 Zentimeter grossen und kaum 100 Gramm schweren Jungwarane schlüpfen, flüchten sie sogleich vor den kannibalistischen Gelüsten der ausgewachsenen Artgenossen auf Bäume. Dort ernähren sich die Kleinen zunächst von Insekten, Eidechsen, Schlangen und Vögeln. In fünf Jahren sind sie auf gut zwei Meter herangewachsen und können Ziegen, Schweine und Hirsche erbeuten.
Interessanterweise kommt bei den "Komodos" auf drei der meist etwas grösseren und gedrungeneren männlichen Echsen nur ein weiblicher Waran. Ob das ungewöhnliche Geschlechterverhältnis schon beim Schlüpfen vorliegt oder erst im Laufe des Heranwachsens - vielleicht als Folge der Jagd auf Artgenossen - entsteht, ist noch nicht bekannt. Dahinter könnte jedenfalls ein evolutionärer Mechanismus stecken, die Populationsgrösse auf den recht kleinen Inseln zu beschränken.

Bei meinen Streifzügen stellte ich mir oft vor, wie 1938 in den Wäldern der Insel klassische Musik ertönte. Der englische Abenteurer Pat Collins hatte eigens ein Grammophon mit in den Busch geschleppt, um die angebliche Taubheit der Warane zu überprüfen. Doch weder Bachs "Toccata und Fuge in d-moll" noch Händels "Largo" rührten die Riesenechsen, woraus Collins schloss, dass sie wirklich nichts hörten. Inzwischen weiss man, dass die Oras sehr wohl Geräusche vernehmen, wenn auch schlechter als Säugetiere. Verständlicherweise reagieren sie nur auf das, was für sie wichtig sein könnte; jedenfalls: Wenn ich Collins Hör-Experimente variierte und wie eine Ziege meckerte, blickten die Echsen sofort in meine Richtung.

Ihre Waffen: Speichel und Geduld
Auf Rinca konnte ich über Tage hinweg verfolgen, wie Warane einen grossen Wasserbüffel zur Strecke brachten. Ein Ranger hatte mir berichtet, dass eine Büffelkuh von einem Waran gebissen worden war. Werden solche Wunden nicht behandelt, sterben die Opfer innerhalb weniger Tage, denn der Speichel der "Komodos" enthält hoch infektiöse, Eiweiss zersetzende Bakterien. Wir fanden den Büffel in einem ausgetrockneten Flussbett - verfolgt von zwei grossen Echsen. Wann immer sich das humpelnde Tier zum Ausruhen hinlegte, schnappten die Warane nach dessen Schwanz - nicht um den Büffel, der noch nach jedem Biss aufsprang, zu töten, sondern um ihn zu schwächen.
Am Tag darauf waren vier, dann sogar sechs Warane zur Stelle; alles grosse Exemplare von über 2,80 Meter Länge. Der Büffel konnte kaum noch laufen, ein Bein hatte sich sichtbar entzündet. Und das mussten die grossen Echsen gewittert haben, denen vor allem ein vorzüglicher Geruchssinn bei der Nahrungssuche hilft: Mit der Zunge entnehmen die Oras der Luft, die am Gaumendach mit dem Riechorgan vorbeistreicht, Duftproben. Über Kilometer hinweg orten sie so das Odeur verwesenden Fleisches und damit die Beute. Am dritten Tag hatten sich bereits elf Warane um den verletzten Büffel versammelt. Normalerweise sind die Oras Einzelgänger, aber eine solche Beute bietet Nahrung für viele: Wir mussten aufpassen, nicht über die gewaltigen Echsen zu stolpern; die allerdings achteten nur auf ihr Opfer. Selbst meine vergleichsweise unsensible menschliche Nase roch nun den bestialischen Gestank, der von dem faulenden Büffelbein ausging.
Am vierten Tag drangsalierten 15 Warane die verendende Büffelkuh. Als sie sich zur Seite drehte, bekam einer das Euter zu fassen und biss sich fest. Die Kuh sprang noch einmal auf - und dabei riss das Euter. Blutgeruch erfüllte nun die Luft - und das war das Signal, über den Büffel herzufallen: Schnell hatten zwei Echsen ihren Kopf in die Wunde gesteckt und rissen Fleischbrocken heraus. Wie im Rausch frassen sie eine stetig grösser werdende Höhle in den Leib des noch lebenden Opfers - abwechselnd tauchten sie mit dem Kopf voran immer tiefer in den Körper ein. Vielleicht noch fünf Minuten lebte die Büffelkuh, dann ein letzter Seufzer - und ihr Kopf sank zur Seite. Doch das beachteten die Warane gar nicht, sondern fetzten weiter die Eingeweide heraus, bis nur das Fell übrig war.

Mit vollem Magen werden sie scheu
Nachdem sie tagelang auf ihr Opfer fixiert gewesen waren und uns keines Blickes gewürdigt hatten, nahmen die Tiere nun Reissaus, sobald wir uns ihnen näherten - bei den "Komodos" kann man sich wirklich niemals sicher sein, wie sich sich verhalten werden.

Quelle: T-Online
http://www.geo.de

31.08.2008, 17:16
Beitrag #2
RE: Geo-Komodowaran-Bericht

geschlossen, bei bedarf bitte ein neues thema starten.


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Anton Szandor LaVey
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