Die Interessengemeinschaft Terraristik Ostfriesland

Normale Version: Einheimischer Bergmolch
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Mit dieser Art habe ich angefangen und ich wollte keinesfalls den Erfahrungsbericht für diese wunderschöne und interessante Art fehlen lassen. Da es aber mittlerweile massig Haltungsberichte und Steckbriefe minimalem Erfahrungsschatzes von dieser Art gibt, stelle ich jetzt hier einen etwas längeren Bericht aus 7 Jahre langer Erfahrung vor, alles zusammengefasst. Also los:464:


Bergmolch, Alpenmolch - Triturus alpestris alpestris



Verbreitung
Allgemein sind Schwanzlurche auf der Nordhalbkugel verbreitet. Diese Art ist in Mittel und Südosteuropa, Nordfrankreich, Polen, Rumänien anzutreffen. Ebenfalls ist der Bergmolch ein einheimischer Vertreter den man auch bei uns vom Flachland bis hin zum Gebirge findet.
Lebensweise
Nach der Winterruhe beginnen die Tiere ihre Winterquartiere zu verlassen und begeben sich, meist nach der Schneeschmelze und bei "angenehmen" Temperaturen, zu ihren Laichgewässern. Laichgewässer sind bei Bergmolchen sehr variabel. Die Tiere halten sich im Frühling in Gewässern auf - Pfützen, Teiche (bis hin zu Dörfern!), Tümpel, Seen, Bäche und auch Flüsse. Die Paarungszeit ist bei Bergmolchen je nach Herkunft unterschiedlich, i. d. R. kommen sie aber meist im März zu ihren Gewässern, und verlassen sie, je nach Temperatur und dem Austrocknen des Laichplatzes, so zwischen Mai, Juni, Juli, also bis zum Frühsommer. Nach der Paarungszeit verlassen sie das Gewässer und kriegen eine körnige Landhaut. Den Rest des Jahres verbringen sie also an Land. Im Herbst jedoch ändert sich der Rythmus wieder (ein weiterer Grund, warum diese Art so beliebt ist!). Im Herbst wird noch einmal gut an "Fett" zugelegt für den bevorstehenden Winter. Ende Herbst vergraben sich die Tiere in feuchtem Lehm bzw. feuchtem Bodengrund. Dies findet unterirdisch statt, bis zu 3 Meter unter der Erde! Diese Plätze sind immer frostsicher. Im Frühling, wenn die Tage länger werden, die Schneeschmelze beginnt und die Temperaturen wieder steigen, suchen die Tiere wieder ihre Laichgewässer auf, und der Rythmus beginnt von neuem.
Unterscheidungsmerkmale zwischen Männchen und Weibchen
Das ist immer so eine Sache. I. d. R. haben die Weibchen, egal ob juvenil oder adult, einen längeren Schwanz als die Männchen und sind von der Masse auch größer. Die beste Zeit die Geschlechter zu unterscheiden ist im Frühling. Aufgrund der Paarungszeit sind die Männchen wortwörtlich bunt gefärbt - die Weibchen hingegen bleiben marmorbraun / grau. Die Männchen hingegen haben eine gelb - schwarzgestreifte Rückenleiste (kein Kamm!) und die Bauchseite ist meist korallenrot / orange gefärbt. Nach eigenen Beobachtungen haben jedoch auch Weibchen stark orange bis hin zu leichtem rot gefärbte Bäuche - aber bei den Männchen ist die Farbe viel stärker ausgeprägt. Ein weiteres Merkmal ist die geschwollene Kloake bei den Männchen, also dicker. Auch die Beine, der Kopf und die Arme (Extremitäten) sind weiß gefärbt mit schwarzen Punkten. Zum Schluß bleibt noch die Grundfärbung - diese ist marmorblau, aber auch diese Farbe kann stark variieren, von einem dunklen marmorblau, zum hellblau, bis hin zu Goldenfarben! Der Schwanz ist in der Paarungszeit meist lila gefärbt.
Ernährung
Für adulte Tiere während der Paarungszeit: In der Paarungszeit werden hauptsächlich nur Wasserinsekten, Tümpelfutter angenommen. Das kann sein: Cyclops (Hüpferlinge), Wasserflöhe, rote, schwarze und weiße Mückenlarven, Bachflohkrebse, Regenwürmer (zwar kein Wasserinsekt, wird aber auch gerne in dieser Zeit angenommen) usw. . Für adulte Tiere während der Landtracht: Moos! In Moos, aus dem Wald, findet sich das reichlichste Nahrungsangebot was es gibt! Ansonsten kann man aber auch noch auf kleine Grillen, Fliegen, Maden - nur als Snack, wegen den "Kalorien" und dem starken Eiweißgehalt -, Terflys (flugunfähige Stubenfliegen), Regenwürmern usw. zurückgreifen. Für juvenile Tiere gilt dasselbe Futter wie bei den adulten Tieren in der Landtracht, nur halt kleinere Größen.
Zucht & Fortpflanzung
Wie schon geschrieben beginnt im Frühling die Paarungszeit. Auf dem Weg zum Laichgewässer sind die Tiere meist ausgedürrt und dünn. Daher ist es klar das in den ersten Wochen ein wahres Festmahl und Rauferrei ums Futter losgeht. Nach eigenen Beobachtungen in der Natur und zu Hause "visieren" die Männchen die Weibchen wortwörtlich. Im Gewässer kommt kein Weibchen allein, sondern ist meist nach ein paar Minuten von zich Männchen umgeben, die nur aus einem Grund gekommen sind. Eine Paarung bei den alpestris alpestris kann meist Stunden, nein sogar Tage lang dauern. Das Männchen ist die ganze Zeit nur mit dem Einen beschäftigt, selbstverständlich verliert das Weibchen da schnell das Interesse. Nun zum Paarungsablauf. Das Männchen umwirbt das Weibchen und zeigt sich "von seiner besten Seite" - stellt sich dem Weibchen also quer gegenüber. Dabei fächelt das Männchen mit seinem Schwanz die Spermatophore zu. - Nur muss das Weibchen diese, in dem Habitat / Aquarium, erstmal aufnehmen mit der Kloake! Noch zu erwähnen ist das Weibchen das Sperma des Männchens in den Hauttaschen speichern können. Die Weibchen können sehr viele Eier legen. Das variiert meist so zwischen 50 - 100 Eier im Aquarium, allgemein aber meist um die 400 Eier. Kein Wunder, warum die Weibchen keine große Lust auf so viele Paarungen haben.
Nach bereits ein paar (2 - 3) Wochen schlüpfen aus den Eiern kleine, winzige, 7 - 8 mm kleine fischähnliche Larven mit großen und imposanten Kiemenästen. Durch die Kiemenäste wird Blut und Sauerstoff gepumpt. Anders als bei den Kaulquappen - Froschlurchen - bilden sich bei Schwanzlurchen erst die Arme und dann die Beine. Das ganze dauert allerdings Monate. In dieser Zeit fressen sie dieselben Insekten, wie die adulten Tiere - Wasserflöhe, Cyclops; Tümpelplankton. Die Pigmente werden von Zeit zu Zeit immer dunkler. Insgesamt dauert dieser Vorgang von der Larve bis hin zum fertigen Tier (Metamorphose!) viele Monate, - vom Frühling bis hin in den (Spät)sommer. Wenige Wochen vor dem Landgang geht es los. Die Tiere nehmen eine kleinere Gestalt an als sonst, die Larven halten sich immer mehr an Land auf, da die Kiemen sich zurückbilden. Haben sie sich vollständig zurückgebildet, gehen die Tiere an Land.
Winterschlaf
Für eine artgerechten Winterschlaf benötigt der Bergmolch sehr kühle Temperaturen. Man sollte sich gut überlegen, wie man die Tiere überwintern will. Da gäbe es drei Möglichkeiten. - Die erste wäre der Kühlschrank, - die zweite ein unbeheizter Raum - und die dritte Möglichkeit wäre der Keller. Wichtig sind hierbei die Temperaturen. In der Natur graben sich die Tiere in feuchtem Boden (meist Lehm, Schlamm [auch selten in Gewässern]) ein, unterirdische, frostsichere Plätze. Zu Hause kann man es ganz einfach regeln, indem man die Tiere in einen Behälter - Aquarium / Terrarium - ansiedelt. Jedoch schon im Frühherbst! Man richtet ihnen eine hohe Boden - und Laubschicht ein, in der sie sich vergraben und verstecken können. Die Tiere dürfen während dieser Zeit nicht gestört werden. !Wichtig! zu merken ist das der einheimische Bergmolch keine Winterruhe einlegt, sondern einen richtigen Winterschlaf! Woche für Woche fährt man die Temperatur und das Nahrungsangebot runter. Nun kann das Tier einen artgerechten Winterschlaf halten. Wird die Winterruhe beendet, werden die Temperaturen und die Beleuchtungsdauer wieder hochgefahren. Das macht man am besten, wenn der Winter bei sich wieder aufhört.
Bodengrund
Welcher Bodengrund? Auch hier streiten sich die Gelehrten! Ich habe gute Erfahrungen mit ausgewaschenem Flussand, Aquariumsand - und Kies gemacht. Verstopfungen kommen so gut wie nie vor, da, z. B. beim Mückenlarvenfressen, das mitaufgenommene Substrat direkt wieder ausgeschieden / ausgespuckt wird.
Körpergröße
Die Weibchen erreichen meist eine Gesamtlänge zwischen 9 und 12 cm. Die Männchen bleiben wie schon erwähnt etwas "schmaler", also kleiner. Die Gesamtlänge bei den Männchen variiert meist zwischen 7,5 und 10 cm.

Sonstiges zur Art

Der Pfleger muss sich bei der Anschaffung wirklich bewusst sein, diese Art artgerecht zu pflegen, da sie nicht gerade für die blutigen Anfänger geeignet ist. Der Bergmolch ist, wie alle europäischen Amphibien, nach BArtSchV besonders geschützt, d. h. das sie umgehend bei der Naturschutzbehörde angemeldet werden müssen. Dabei darf man sich keine Wildfänge im Haus halten, sondern muss sich auf Nachzuchten beziehen.

Garnelenhering

Allerhöchstes Lob, dass ist ein klasse Bericht geworden... :541:
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